Der Münchner Chipkonzern Infineon wird bis 2034 rund 1,1 Milliarden Euro in seinen Standort in Villach investieren. Ziel ist der Aufbau der weltweit ersten Hochvolumenfertigung für Leistungshalbleiter aus Galliumnitrid (GaN) auf 300-Millimeter-Wafern. Die Produktion dieser neuen Technologie soll Ende 2027 starten und in bestehende Reinraumflächen integriert werden. CEO Jochen Hanebeck betonte, dass das Unternehmen damit als erstes weltweit GaN-Leistungselektronik in die Volumenfertigung überführt.
Der technologische Sprung auf 300-Millimeter-Wafer ist zentral, da diese die 2,3-fache Menge an Chips im Vergleich zu den bisherigen 200-Millimeter-Wafern ermöglichen. GaN-Halbleiter schalten Strom schneller und effizienter als klassisches Silizium, was zu geringerer Abwärme und kleineren Geräten führt. Infineon adressiert damit primär die Bereiche KI-Rechenzentren, Energie-Infrastruktur wie Solaranlagen, Elektromobilität, Robotik sowie Konsumentenelektronik. Laut Yole Group könnte der Markt für GaN-Leistungshalbleiter bis 2031 mit einer jährlichen Wachstumsrate von 35 Prozent auf rund 3,5 Milliarden Dollar anwachsen.
Finanziell wird das Projekt im Rahmen des European Chips Act mit 319 Millionen Euro gefördert, wofür die EU-Kommission die Staatshilfe bereits genehmigt hat. Bundeskanzler Christian Stocker bezeichnete die Investition als eine der größten Einzelinvestitionen der österreichischen Hightech-Industrie. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer verwies auf den geringen Anteil Europas von etwa zehn Prozent an der weltweiten Chipproduktion. Trotz der Milliardeninvestition entstehen keine neuen Arbeitsplätze, da das Projekt bestehende Stellen sichert; Infineon Austria beschäftigt derzeit rund 5.800 Mitarbeiter, davon etwa 4.800 in Villach.
Die Expansion erfolgt vor dem Hintergrund eines intensiven Wettbewerbs und einer schwierigen Börsenphase, in der die Infineon-Aktie seit Mitte Juni rund 40 Prozent verlor. Während Konkurrenten wie das chinesische Innoscience auf 200-Millimeter-Wafer setzen und TSMC sein GaN-Foundry-Geschäft bis Mitte 2027 aufgrund von Preisdruck beendet, strebt Infineon durch die 300-Millimeter-Technologie einen Kostenvorteil an. Weitere Wettbewerber im Bereich GaN sind Navitas aus den USA sowie STMicroelectronics und Texas Instruments. Neben Villach soll laut Berichten auch der Standort Graz sowie die gesamte Steiermark von den Investitionen profitieren.

